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CD-Tipps

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|| CD-Tipps 2008 - 2010 ||

09.10.2011: M83 - Hurry up, we're dreaming

 

Okay, okay ich geb es ja zu. Eigentlich weiß ich so gut wie gar nichts über M83. Warum eigentlich nicht. Hab ich sie früher eigentlich eher mit avantgardistischem französischem Electrodance assoziiert, muss ich jetzt doch tatsächlich meine Meinung gewaltig überdenken. Meine vorgefertigte Meinung könnte allerdings auch mit einigen, sagen wir mal speziellen Remixen u.a. für Depeche Mode und anderen beruhen.

Jetzt dreht sich schon zum tausendsten Male das neue Album „Hurry up, we’re dreaming“ in meinem Player und ich entdecke immer wieder neue Seiten an der Platte. Denke ich erst an eine eher banale Popnummer wie „Midnight city“, werde ich langsam in eine Welt entführt, die süchtig macht. Eine Radionummer, die ich wohl leider nie im deutschen Mainstreamdschungel hören werde, da ein einzelner Track schon zu anspruchsvoll für banale Airplaysender sein wird.

Anfangs werde ich dann auch auf die falsche Fährte geführt. Und je weiter ich in die Platte eintauche, desto mehr öffnet sich eine der besten Platten des Jahres. Ruhige Balladen wie das wunderschöne „Wait“ oder dem bombastischen „Soon, my friend“ wechseln sich wiederum mit dem atmosphärischem „Raconte-moi une historire“ oder „Steve McQuees“ab und so durchlaufe ich einem musikalischem Wechselbad. Dabei verstehen es M83 sehr gekonnt, den Hörer nicht an überdimensional lange Tracks zu ketten sondern behalten sich das Recht vor, nach maximal viereinhalb Minuten zum nächsten Abenteuer aufzubrechen.

Das Wagnis einzugehen, ein Doppelalbum zu veröffentlichen deutet bei „Hurry up, we’re dreaming“ schon an, dass man sich Zeit nehmen sollte. Die Platte läuft nicht nebenbei, die übernimmt die Hauptrolle. Das ist keine einfache Popmusik, das ist kein Rock, kein Electro. „Hurry up, we’re dreaming“ definiert für mich am ehesten den Begriff „Weltmusik“.

28.09.2011: Erasure - Tomorrows World

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Als Erasure 1992 ihr Überalbum „Chorus“ veröffentlichen, hatte Vince Clarke die perfekte Einstellung seiner Sequenzer und Synthies gefunden. Das hat Vince und Andy Bell so gut gefallen, dass man seitdem fast alle Veröffentlichung in diesem Stil kreiert hat. Die Fans mögen es, das beweisen immer wieder die ausverkauften Konzerte. Einzig die Plattenverkäufe gehen seitdem stetig zurück. Was soll man also tun?

Den Paradiesvogel Andy Bell und den Denker und Tüftler Vince Clarke mal so richtig mit einem Freak zusammen bringen und das ganze durch schütteln und mal sehen, was raus kommt. Das Ergebnis heißt „Tomorrows World“ und ist für mich die erste wirklich neue Platte von Erasure seit fast zwanzig Jahren. Produziert wurde die Platte ja bekanntlich von Vincent „Frankmusik“ Frank, der dem Album einen modernen Airplay-Schliff verpasst, ohne die typischen Erasure-Klänge komplett zu verdrängen.

Der Opener „Be with you“ geht mir sofort ins Ohr und verbreitet einfach gute Laune. Sowas möchte ich auch mal im Radio hören. Ein klassischer Erasure-Track, der sich sofort öffnet. Wobei mir allerdings auffällt, dass Andy an seinem Gesang gearbeitet hat. Wo nimmt dieser Mann diese Stimme her?

Hatte ich bei der Erasure Stipvisite im Sommer so meine Zweifel bei dem Track „You’ve got to save me right now“ geht mir dieser, wohl sperrigste Track des Albums sofort ins Ohr. Eigentlich kein ungewöhnlicher Track aber in dem neuen Erasure-Gewand etwas rotzig aber gut. Da kam dann wohl die Experimentierfreudigkeit von Vince durch.

Was mir besonders auffällt ist, dass „Tomorrows World“ wohl wirklich das erste Dance-Album von Erasure ist. Am besten merkt man das bei „I lose myself“, dem heimlichen Höhepunkt der Platte. Treibende Discobassline, harte Beats und Andys Stimme macht ein richtiges Brett aus dem Track. Aufdrehen und wegblasen lassen!

Gibt es denn gar nichts auszusetzen? Doch, mit Sicherheit. Leider haben es Erasure „nur“ auf neun Tracks gebracht und ich verspüre beim letzten Track „Just when i thught it was ending“ einen Hauch von Wehmut. Besser kann eine Platte kaum zum Schluss kommen. Keine Fülltitel, keine überlangen Spielereien, keine Balladen. Ups, da ist es dann doch passiert. Ich mag die Stimme von Andy Bell, besonders wenn er ruhige Stücke wie „How many times“ oder „Spiraling“ singt. Das ist es, was ich vermisse. Aber wer weiß, vielleicht hätte man ein ruhiges Stück als störend empfunden, wenn man so eine Ansammlung von guten Dancetracks vorfindet. Dank „Frankmusik“ haben Erasure bewiesen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören, sondern dass man auch weiter mit ihnen rechnen sollte, denn sie waren bisher nur ganz selten besser.

VÖ:30.09.2011 Mute/Goodtogo

28.08.2011: Solar Fake - Frontiers

 

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Solar Fake sind leider immer noch nicht der breiteren Masse ein Begriff. Zumindest, wenn man nicht vielleicht schon mal was von Zeraphine gehört hat. Solar Fake ist das Soloproject von Zeraphine-Frontmann Sven Friedrich. Stilistisch haben beide Projekte nur indirekt etwas gemeinsam neben der Stimme von Sven Friedrich. Während Zeraphine eher Dark-Rock spielen, ist Solar Fake ganz klar ausgegliedert und gilt als reines Electroproject. Wer genau hinhört, erkennt in den einzelnen Songs schon Ähnlichkeiten zwischen den Projekten. Dennoch wird doch ein unterschiedliches Publikum angesprochen.

Bereits 2008 veröffentlichte Solar Fake das erste Album „Broken Grid“ mit der sehr eingängigen Singe „Hiding Memories From The Sun“. Jetzt liegt das zweite Album „Frontiers“ vor, wo sich Sven Friedrich mehr aus dem Fenster lehnt und das ganze Album komplexer und geschlossener erscheinen lässt.

Bereits der Opener „Under The Skies“ ist eine eingängige Melancholische Einstiegsdroge wo man auch gleich durch die tiefe sonore Stimme Friedrichs gefangen wird. Der Mann leidet so schön, dass man ihm schnell mal ein Glas Rotwein und ein Taschentuch reichen möchte. „No Apologies“ reißt den Hörer dann aus dem Sessel und lädt mit seinem stampfenden Beat zum tanzen ein. Ein besonderer Hinhörer ist „More than this“. Der Track brennt sich in meine Hörmuschel und avanciert in meiner persönlichen Hitliste zum Tophit. „Parasites“ überrascht mich gewaltig, klingt es doch eher aggressiv. Ich fühle mich stark an die Jungs von [:SITD:] erinnert. So muss es klingen, wenn man die Tanzfläche bombardieren will.

Natürlich darf auch eine Coverversion nicht fehlen. Aber da kann man viel falsch machen und beim Blick auf die Trackliste befürchte ich schon schlimmes, als ich einen Track namens „Such a shame“ finde. Und richtig, es handelt sich ums den Talk Talk-Klassiker der 80er und Solar Fake bewegen sich auf dünnem Eis. Mehr als ein „unterhaltsam“ kann ich dann leider dem Track auch nicht abgewinnen. Es gibt halt Stücke, die können einfach nicht gecovert werden und mit Talk Talk ist es meines Wissens noch keiner band gelungen, was Gutes zu vollbringen.

Insgesamt haben Solar Fake es aber geschafft ein gutes Album zum falschen Zeitpunkt zu veröffentlichen. Gerade bei „Frontiers“ zeigt es sich wieder, dass es nicht gut ist, mitten im Sommer so ein Album zu veröffentlichen. Schnell landet so eine Platte auf dem Haufen, den keiner im Sommer hören will und das ist in diesem Falle sehr schade und wirkt sich hoffentlich nicht negativ auf den Erfolg des Albums aus. Denn Erfolg ist das, was es verdient hat. Sven Friedrich setzt sich von Zeraphine ab und macht Lust auf mehr musikalischem Output.

28.08.2011: Project Pitchfork - Quantum Mechanics

 

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Es kann mit Sicherheit keiner behaupten, Project Pitchfork würden Musik für ein breites Publikum machen. Vom Indieact zum Mainstream und zurück. So oder ähnlich kann man die Karriere von Peter Spilles und Dirk Scheuber am treffendsten beschreiben.

Jetzt legen Pitchfork mit „Quantum Mechanics“ ein neues komplexes Werk vor, was mich nach vielen Jahren auch mal wieder begeistern kann. Selten habe ich in den letzten Jahren ein für Pitchfork-Verhältnisse eingängiges Album gehört. Das liegt mit Sicherheit auch an der Vorabsingle „Lament“, die mir Tür und Tor geöffnet hat. Natürlich klingt es wie immer aber auch nicht. „Lament“ animiert mich zum hinhören und lauter machen. Kein Soundtrack für leicht gestrickte und ein Hauch von Retro schwingt in den Klängen mit und man fühlt sich an die großen Zeiten von „Eon:Eon“ zurück erinnert, als Project Pitchfork durchs Musikfernsehen geisterten und sich der breiten Viva-Masse öffnen sollten. Dabei ist „Lament“ kein leichter Song und der durch Spilles‘ durch den Verzerrer gejagter Gesang kaum eine Melodie erkennen lässt. Seltsamerweise kommt aber bei den fast 8Minuten keine Langeweile auf; vielmehr bin ich enttäuscht, dass es schon vorbei ist.

„Run for Cover“ ist dann doch tatsächlich das, was ich bei Pitchfork als Floorfiller bezeichnen würde. Ich bin entzückt, dass die Beine nur so wippen wollen. Lauter muss es sein, auch wenn die Kinder in der Nachbarschaft es mit der Angst bekommen. Spilles und Scheubi schütteln sich gewaltig en Staub von den Schultern, dass es nur so kracht. „Radical Burns“ klingt schon fast ein wenig zu weltoffen und poppig. Würde Peter Spilles nicht den Weltuntergang prophezeien oder so ähnlich, könnte es fast schon als Szeneohrwurm durchgehen. Zum ersten Mal bin ich aber ein wenig genervt, dass bei Track Vier in gleicher Manier wie bei den vorhergehenden Tracks Spilles‘ Stimme zu sehr verzerrt ist. Eigentlich will man doch so von Defiziten ablenken und das hat er ja wohl kaum nötig.

„Quantum Mechanics“, das Titelstück des Albums nimmt erstmals das Tempo aus dem Album und ruft eine schwermütige  Stimmung hervor und baut sich dadurch zu einem grandiosen Mittelpunkt des Albums auf. Fast schon majestätisch schreitet Spilles durch seine dunklen Landschaften, die er mit großen Gesten unterstreicht.

Project Pichfork haben sich mit „Quantum Mechanics“ nicht neu erfunden. Sie sind wieder Mal einen Schritt weiter gegangen und ritzen sich eine weitere Kerbe in den Bettpfosten der eine Reihe von genialen Alben markiert. Sie kreieren eine Dark-Wave-Electro-Oper, welche die Messlatte für ihre Weggefährten wieder ein Stück höher legen wird und nur sie selber werden es schaffen, diese Messlatte zu überbieten.

03.07.2011: She Wants Revenge - Valleyheart

 

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Es gibt Platten, die sind einfach da. Plötzlich, ohne Vorwarnung und ohne großes Theater drum herum. So können schnell mal interessante Platten an einem vorbei gehen oder man hält kleine Schätze in den Händen. Die Kehrseite kann dann aber auch wieder sein, dass wenn zu viel Wind um eine Platte gemacht wird, die Erwartungen zu hoch sind und das böse erwachen schon beim ersten Durchlauf kommt.

Für mich überraschend stand mit einem Mal „Valleyheart“, das neue Album von She Wants Revenge in den Regalen. Meiner Meinung nach eine der zu unterschätzten Bands in Europa. 2005 von Justin Warfield und Adam Bravin gegründet, legten sie 2006 ein fulminantes Debut mit dem gleichnamigen Album hin. Hits „Tear you apart“ und „These things“ machten sie auch bei uns bekannt. Zu schnell folgte 2007 schon die zweite Platte „This is forever“. Nicht so erfolgreich wie das Debut und auch klanglich eher eine Kopie vom Vorgänger.

Auch bei „Valleyheart“ können She Wants Revenge nicht aus ihrer Haut. Eine musikalische Anlehnung an Bands wie Joy Division oder auch an Depeche Mode ist nicht zu leugnen. Dennoch klingt das Album wieder frischer und eingängiger. Schon der Opener „Take the World“ brennt sich durch seine Mischung aus Beats, Gitarre und der Stimme von Justin in meine Ohren und rutscht in meine Favoritenliste in meinem iPod. Das She Wants Revenge aber nicht nur düster klingen zeigt sich gleich bei „Kiss me“. Fast schon poppige Ansätze, die nicht aufdringlich wirken und eine hohe Haltwertzeit versprechen. „Must be the one“ als Vorabsingle auszuwählen, ist eine sehr gute Wahl gewesen. Nicht unbedingt das kommerziellste Stück auf dem Album, dafür aber sehr aussagekräftig.

Haben She Wants Revenge aber jetzt neu erfunden? Nein, aber das müssen sie auch nicht. Tracks wie „Reasons“ oder „Little Stars“ oder auch „Suck it up“ überstehen nicht nur in der Gesamtheit des Albums sondern sind auch als einzelne Tracks herausragend. Vielleicht schaffen es She Wants Revenge mit „Valleyheart“ nun auch endlich, auch in Europa eine breitere Masse anzusprechen. Zu Gönnen wäre es ihnen. Leider ist bisher nichts über eine anstehende Tour bekannt. In den USA haben sich She Wants Revenge aber bereits ein großes Publikum erspielt. Und das nicht nur durch die erfolgreichen Tourneen mit Placebo und Depeche Mode.

01.06.2011: Depeche Mode - Remixes 2: 81-11

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Über die Rolle von Depeche Mode im Bezug aufs remixen ist ebenso viel verloren wie über Marias Jungfräulichkeit. Die Urväter des Mixens haben sich also aufgetan und zum zweiten Schlag ausgeholt, was das aus der Schublade kramen angeht. Mit „Remixes2:81-11“ liegt hier wieder eine randvolle Compilation mit alten und neuen Mixen altbekannter DM-Singles, B-Seiten und Albumtracks vor. Also alles wie 2004, als die erste Compilation erschien? Nein dieses Mal konnten die Macher nicht auf Nummer Sicher gehen, wurden doch mit dem ersten Streich die Hits ab gefrühstückt. Und genau das macht dann doch wieder die neue Compi aus. Man traut sich was.

Neben weiteren „alten“ Mixen, wie z.B. dem etwas schrägen „Death Mix “ von „Fly on the windscreen“ oder auch dem „United Mix“ von „Barrel of a gun“, gibt es viele gute und sehr gute neue Mixe auf die Ohren. Allen voran stehen natürlich die Mixe der ehemaligen DM-Mitglieder Vince Clarke (Behind the wheel) und Alan Wilder (In chains). In beiden Fällen ist man überrascht von den Ergebnissen. Unlängst bekannt ist das Faible von Vince Clarke für Dancetracks. Dementsprechend hat er dem 1987er „Behind the wheel“ einen treibenden Beat und eine neue Bassline verpasst und den Track auf die 2011 Dancefloors transferiert. Nicht nur durch die Arbeit Clarke’s ein Highlight auf dem Album. Schon eher absehbar war dagegen Alan Wilders Version von „In chains“. An einigen Stellen klingt der Mix ein wenig zu kalkulierbar. Ich mag die Arbeiten von Wilder als Recoil und auch als Remixer. Leider fehlen ab und zu aber die innovativen Wagnisse, die man Alan Wilder immer wieder nachsagt. Weggebomt werde ich dafür vom „Joebot Presents „Radio Face Mix““ von „A question of time“. Der Mix aus Breakbeats und Midtempo klingt treibend und fast schon befreiend, wenn in der zweiten Hälfte das Tempo angezogen wird.  In der Art hätte ich persönlich mit einem Mix eines der größten Livetracks von DM nicht gerechnet. Ein weiterer Schnapper ist ohne Zweifel der „Karlsson  & Winnberg Mix“ von „Tora Tora Tora!“. Mit Sicherheit keine leichte Aufgabe einen Mix zu so einem Track anzufertigen. Mit Bravour gemeistert. Mehr als Gelungen ist auch der „Sie Medway-Smith Mix“ von „Personal Jesus“. Ich mag die Mixe, wo zumindest ansatzweise noch Sequenzen des Originals vorhanden sind. Hier wird Martin Gore’s Gitarre mit neuer Bassline und Drums zusammen gefügt, sich aber nicht am Original zu sehr orientiert. Mit Verlaub gesagt eine gelungenere Arbeit als der zur Single auserkorene „Stargate Mix“.

Das für mich überraschende an der „Remix 2“ ist, dass im Gegensatz zur „Remixes 81..04“ nicht die neuen Mixe als Füllmaterial wirken, sondern diesmal der Spieß umgedreht wurde. Diese Compilation hätte auch gut auf die „alten“ Mixe verzichten können. Aber dann wäre sie vom Konzept der ersten Auflage abgewichen. Also greift man auch dieses Mal nicht falsch ins CD-Regal, da sich alle Mixe fast ausnahmslos zum tanzen eignen und nicht zu experimentell wirken. Sollten Depeche Mode selbst die Mixe ausgesucht haben, so haben die Herren ganze Arbeit gemacht und vielleicht auch ein paar Ideen wieder gefunden, die bei neuen Studioarbeiten positiv einwirken werden.

 

02.04.2011: The Kills - Blood Pressures

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In der heutigen Zeit nochmal eine Platte zu finden, die nicht nur unterhaltsam ist, sondern durch ihre Ecken und Kanten im Gedächtnis zu behalten ist gar nicht so einfach. Da kommt mit „Blood Pressures“ von The Kills die nötige Dosis an Rotzigkeit um dem Einheitsbrei zu entfliehen.

Bereits der Opener „Future Starts Slow“ hat das Potenzial, ein Ohrwurm für den kommenden Sommer zu werden. Wiederkehrende Riffs und dank der Zuarbeit von James Hince und Tom Elmhirst (Mischung) eine Rohheit die sich auch durch die folgenden Tracks weiterführt. Zusammen mit der Stimme von Alison Mosshart klingt das Album nicht nach durchgestyltem Rock sondern hat den Charme eines richtig guten Demotapes. Dieses wird nicht nur durch die grandiose Vorabsingle „Satellite“ unterstrichen. Weiterer Hinhörer ist das geniale „Nail In My Coffin“, welches besonders in erhörter Lautstärke hingerotzt wird, das es kracht. Stellenweise sind Parallelen zu den White Stripes nicht von der Hand zu weisen was man hier durchaus als Kompliment sehen soll.

Die Gradwanderung zwischen Rock, Blues und Country klingt stellenweise sehr gewagt, aber nicht gekünstelt. „The Last Goodbye“ ist so ein Stück, dass mich zweimal hinhören lässt. Das Cowgirl reitet auf seinem Pony dem Sonnenuntergang entgegen. Nicht kitschig sondern ehrlich leht man sich zurück und hat dieses Bild im Kopf. Do bevor man sich den Träumen hingibt, wird man dann doch mit „Damned If She Do“ in die Realität zurück geholt.

Live sind The Kills bisher nur für drei Termine gebucht. Aber sollten sie noch weitere Termine nach schieben, sollte man sich spätestens nach „Blood Pressures“ auch live beeindrucken lassen.

16.03.2011: The Human League - Credo

Das sind sie ja wieder! Zehn Jahre nach dem letzten Album „Secrets“ melden sie The Human League endlich mit neuem Material zurück. „Credo“ heisst das neue Album und lässt mich doch entzücken. Nachdem die Band in den letzten Jahren sich von Eighties-Festival zu Eighties-Festival gerettet hat und dazwischen immer wieder auf Tour im Vereinigten Königreich auf Tour war, hatte ich die Hoffnung auf ein neues Album schon fast begraben.

Aber was habe ich von „Credo“ erwartet? Da das 80er-Revival derzeit dank neuer Platten von OMD, Duran Duran u.a. ja voll im Gange zu sein scheint, war ich schon darauf eingerichtet, dass es in die Richtung gehen könnte. Und bereits die digitale Vorabsingle „Night People“ hat mich nicht überrascht. Ok, die Auswahl war meiner Meinung nach etwas gewagt, ist ein kommerzieller Erfolg nicht zu erwarten. Dazu ist „Night Peolple“ zu sperrig und mit seinen Pausen auch etwas strange. Nach mehrmaligem hören finde ich aber immer mehr gefallen an dem Track. Besonders durch das lange Finale mit Discoflair.

„Sky“ ist ein klassischer League-Song. Da hört man die Vorliebe von Phil Oakey  für aufbauende Refrains. Der Track hätte schon auf so vielen Alben veröffentlicht werden können. Es gibt halt immer wieder Tracks, an denen man einen Songschreiber erkennt. Und, ups, da ist ja schon er nächste Track Track „Into the night“ wenn man es gar nicht merkt, dann muss es wohl gute Unterhaltung sein.

Musikalisch besticht „Credo“ durch seinen Retro-Sound, der aber nicht gekünstelt wirkt. Human League müssen die Originale nicht kopieren, sie sind es. „Credo“ ist ein zeitloses Comeback und reit sich ohne anzuecken in die Retrosounds anderer Acts wie FRANKMUSIK oder LaRoux ein. Dadurch klingt es nicht altbacken sondern frischer als ich erwartet hatte.

Anspieltipp: „Never let me go“, “Night People”, “Egomaniacs”

16.03.2011: Blitzmaschine - Faustrecht

Zurücklehnen und Entspannen – nein, das kann jetzt nicht angesagt sein. Dreht sich jetzt doch gerade mit „Faustrecht“ das Debutalbum  von BLITZMASCHINE. Dieses sind der ehemalige Collapsed System-Shouter Holger und sein Partner Matze. Kennengelernt haben sich die beiden Mal nicht wie viele andere Bands in irgendeinem Club sondern ganz unlike auf dem Finanzparkett. Nachdem dort nichts mehr zu holen war, besann sich Holger auf die Musik und gründete mit Matze BLITZMASCHINE.

Mit „Faustrecht“ gibt es nach eigener Aussage „EBM für die Mittelschicht“. Und da wird nicht untertrieben. Das Album wird dominiert von harten Beats und harten Basslines. Selten hat eine Platte so unverblümt mit den Old-School-EBM kokettiert. Der Opener „Swallow me“ könnte so ziemlich von jedem Frühwerk von Nitzer Ebb entsprungen sein. Was man in diesem Falle als Kompliment durchgehen lassen kann. Erwähnenswert für mich ist z.B. auch „Am i right“. Nicht einfach nur ein weiterer Track nach 08/15-Muster. EBM kann auch abwechslungsreich sein.

Bei „Blondes Mädchen“ muss ich zwangsläufig erweise and die Urgroßväter des EBM, DAF denken. Der Gesang von Holger und die Basslines haben für mich schon fast zu viel Ähnlichkeit mit Gabi Delgado und Robert Görl.

Auf der einen Seite ziehe ich den Hut vor der konsequenten Stilverfolgung, beginne mich aber auch zu langweilen. Zu eintönig wirkt das Album, wenn es in einem Stück durchläuft. Jeder einzelne der 14 Tracks lädt zum tanzen ein, bietet am Stück aber auch eine Überdosis EBM, die nach mehr Abwechslung lechzt.

08.03.2011: AndOne - Tanzomat

 

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Naja, da ist sie also endlich. Die neue, lange angekündigte, verschobene und dann doch noch fertig gewordene Song-Compilation von AndOne. „Tanzomat“ getauft, erwarte ich nach allen Vorankündigungen ein Hammeralbum. „Old School EBM meets Bodypop“ soll die Devise sein. Mmhh, aber warum bin ich dann schon bei der Vorabsingle „Zerstörer“ schon nicht vor Freude spitzend durch die Bude gesprungen? Das soll sich doch hoffentlich jetzt ändern.

Schon der Opener lässt die Euphorie in den Keller sinken. „Save the hate“ besticht durch eine Bassline, die ich bei AndOne in den letzten 15 Jahren schon tausend Mal gehört habe. Die Vocals von Steve Naghavi sind gewöhnungsbedürftig. Nur der Refrain hat vielleicht Potenzial, irgendwo in den Gehörgängen zu bleiben. „Shining star“ überzeugt auch nicht durch musikalische Neuerungen. Die Geschwindigkeit ist zwar schon etwas tanzbarer aber zündet auch nicht. Einzig ist wieder der Refrain ganz nett und hat Wiedererkennungswert. Das scheint wohl die neue Kreativität von Steve Naghavi zu sein. Aber ein Refrain allein macht noch keinen Hit. Schon gar nicht, wenn man zum fünfhundertsten Male den Magix-Musicmaker in der AndOne-Edition startet. Langsam schreit es nach musikalischer Erneuerung.

„Dancing in the factory“ hat seine Basslinewurzeln entfernt bei DM’s „Just can’t get enough“ entliehen. Nicht wirklich neu, aber insgesamt bis jetzt unterhaltsamste auf dem Album. Und endlich mal wieder weibliche Vocals. Wie habe ich vermisst. Als Ponton zu Naghavis Bass-Stimme.

„The aim is in your head“ ist der Beweis, das Naghavi es aber auch noch kann. Schwermütige Bassline, Dramaturgie und mystische Atmosphäre. Er kann es doch. Warum wird diese Art von Kreativität nur zu selten abgerufen?  „Sex Drive“ mit auf das neue Album zu nehmen erscheint für mich als die logischste Wahl. Haben AndOne mit „Zerstörer“ die Hörerschaft doch mehr verstört als angesprochen.

Wie soll da Fazit denn nun ausfallen? Schwer, wirklich schwer zu sagen. Der eingefleischte AndOne-Fan wird seine Freude an „Tanzomat“ haben. Soviel steht fest. Das Ziel, neue Fans mit dem Album zu gewinnen, wird wohl weit verfehlt werden. Zu hoch ist die Messlatte mit „Bodypop“ (2006) gelegt worden. Da kann „Tanzomat“ nur verlieren. Und wer vier Jahre braucht, um „nur“ eine musikalische Fortsetzung eines Albums zu produzieren, kann keine Lobeshymnen verlangen. AndOne treten als Auslaufmodell an, die es leider nicht einmal mehr schaffen, auf der Bonus-Live-CD der „Limited Edition“ zu überzeugen. Die Tracks kommen ebenso leer und lustlos rüber, wie sie auch schon in den Konzerten im Herbst 2010 klangen.

Ich hoffe, dass Steve Naghavi das Ruder nochmal rumreißen wird und auch mal neue Wege geht. Sonst wird das langsame Sterben jetzt offiziell eingeläutet.

21.01.2011: Covenant - Modern Ruin

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Man hätte es ja fast nicht mehr glauben können, dass von den Herren von Covenant nochmal etwas Neues zu hören ist. Nachdem, was in der letzten Zeit so an Eskapaden nachzulesen war, erschien mir die Möglichkeit etwaiger Veröffentlichungen dann auch minimal. Da war die Überraschung über die „LIghtbringer e.p.“ im Oktober letzten Jahres doch schon groß, auch wenn der A-ha-Effekt ausblieb.

Jetzt legen Covenant mit „Modern Ruin“ nach fünf Jahren Pause ein neues Album vor, welches nach den ersten Ankündigungen bereits im Herbst 2009 hätte erscheinen sollen. Hat sich die Wartezeit gelohnt? Schwer zu sagen. Man kommt schnell auf den Punkt, dass Covenant sich musikalisch verändert haben. Einen großen Anteil daran hat mit Sicherheit die Rekrutierung von Daniel Myer (Haujobb, Destroid). „Modern Ruin“ beinhaltet so viel klangliche Raffinesse, die man von Myers Vorbands kennt. Die letzten EBM-Einflüsse, die noch auf „Skyshaper“ (2006) zu hören waren, sind Clubsounds gewichen. „Judge Of My Domain“ ist eine Gradwanderung und beinhaltet noch ein paar Atmosphärische Ausläufer des letzten Albums. „Dynamo Clock“ besticht durch harte Beats und Bassline. Ein Floorfüller, der aber leider ohne jeglichem Wiedererkennungswert ausklingt. Hörenswert ist dagegen schon eher „The Beauty And The Grace“. Etwas mystisch und geheimnisvoll mit einem für Covenant-Verhältnisse interessanten Gitarrenpart. Mein Highlight auf dem Album.

Ich nenne es mal Weiterentwicklung bei Covenant, wie sich Tracks wie „Wolrlds Collide“ und „The Night“ anhören. Sind Covenant schon immer auch für experimentelle Sounds bekannt gewesen, verlangen sie der Hörerschaft nun schon einiges ab. Und das wird mit Sicherheit an der Mitwirkung von Daniel Myer liegen. Ob alle Fans die Entwicklung mitgehen, bleibt abzuwarten.

Muss man „Modern Ruin“ denn jetzt mögen oder nicht? Wenn man keine 08/15-Platte erwartet, die sich an dem Erfolg der letzten Alben orientiert, sollte man das Album nicht missachten. Wer alten Smashern a la „Dead Stars“ nachweint, sollte sich die Anschaffung gut überlegen.

 

15.01.2011: F.O.D. - Maschinentanz

 

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Selten laufe ich so lange schwanger mit einem Album. Meist verliere ich den Mut und das Regal hat wieder mal Füllware erhalten. So ist es auch beinahe mit „Maschinentanz“, dem aktuellen Album von F.O.D. geschehen. Schon die zweifelhafte Playbackshow als Support von AndOne im Herbst 2010 hatte mich nicht wirklich positiv gestimmt.

Manchmal lohnt es sich aber auch, nach einer gewissen Pause ein Album wieder vor zu holen. Mittlerweile hat sich die Platte in meiner Gunst weiter nach oben gedreht. Schon der Opener „Dirty Pop“ geht mit treibenden Beat nach vorne. Zwar etwas zu sehr poppig aber doch wieder eingängig hat „Kreuzritter“ Airplaytaugliche Tendenzen. „Angels“ ist ein Hit! Mehr kann man nicht sagen. Eingängige Melodie, pumpende Beats und ein Ohrwurmrefrain den man so schnell nicht los wird. „I know“ überrascht mich u.a. durch den Gesang. Gesungen von Ex-Blutengel Eva Pölzing hat der Track ebenfalls Hitcharakter. Die Stimme von Eva kann man schon mit der von Plavka (ehem. Gastsängerin bei Jam & Spoon) verwechseln. Was man schon als positive Referenz anmerken kann.

Aber wenn ich anfangs so Zweifelhaft war, kann doch nicht alles toll sein, oder? Richtig! Es gibt in der deutschen EBM-/Electroszene nur zwei Bands, die mit dem deutschen Wort umgehen können. Zum einen AndOne und auf der anderen Seite fallen mir nur Melotron ein. So ausgeklüngelt die Sounds, Beats und Melodien auf „Maschinentanz“ auch sind, die deutschen Texte holpern durch die Boxen und klingen doch eher amateurhaft.

F.O.D. bilden eine neue Generation des EBM. Vielleicht ein wenig zu naiv und viele Anleihen an altgedienten Größen. Bei der richtigen Lautstärke aber doch auch mit Suchtgefahr.


     

 

 

 
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