Okay, okay
ich geb es ja zu. Eigentlich weiß ich so gut wie gar
nichts über M83. Warum eigentlich nicht. Hab ich sie
früher eigentlich eher mit avantgardistischem
französischem Electrodance assoziiert, muss ich jetzt
doch tatsächlich meine Meinung gewaltig überdenken.
Meine vorgefertigte Meinung könnte allerdings auch mit
einigen, sagen wir mal speziellen Remixen u.a. für
Depeche Mode und anderen beruhen.
Jetzt
dreht sich schon zum tausendsten Male das neue Album „Hurry
up, we’re dreaming“ in meinem Player und ich entdecke
immer wieder neue Seiten an der Platte. Denke ich erst
an eine eher banale Popnummer wie „Midnight city“, werde
ich langsam in eine Welt entführt, die süchtig macht.
Eine Radionummer, die ich wohl leider nie im deutschen
Mainstreamdschungel hören werde, da ein einzelner Track
schon zu anspruchsvoll für banale Airplaysender sein
wird.
Anfangs
werde ich dann auch auf die falsche Fährte geführt. Und
je weiter ich in die Platte eintauche, desto mehr öffnet
sich eine der besten Platten des Jahres. Ruhige Balladen
wie das wunderschöne „Wait“ oder dem bombastischen „Soon,
my friend“ wechseln sich wiederum mit dem
atmosphärischem „Raconte-moi une historire“ oder „Steve
McQuees“ab und so durchlaufe ich einem musikalischem
Wechselbad. Dabei verstehen es M83 sehr gekonnt, den
Hörer nicht an überdimensional lange Tracks zu ketten
sondern behalten sich das Recht vor, nach maximal
viereinhalb Minuten zum nächsten Abenteuer aufzubrechen.
Das Wagnis
einzugehen, ein Doppelalbum zu veröffentlichen deutet
bei „Hurry up, we’re dreaming“ schon an, dass man sich
Zeit nehmen sollte. Die Platte läuft nicht nebenbei, die
übernimmt die Hauptrolle. Das ist keine einfache
Popmusik, das ist kein Rock, kein Electro. „Hurry up,
we’re dreaming“ definiert für mich am ehesten den
Begriff „Weltmusik“.
28.09.2011: Erasure - Tomorrows World
Mp3-Download
Als
Erasure 1992 ihr Überalbum „Chorus“ veröffentlichen,
hatte Vince Clarke die perfekte Einstellung seiner
Sequenzer und Synthies gefunden. Das hat Vince und Andy
Bell so gut gefallen, dass man seitdem fast alle
Veröffentlichung in diesem Stil kreiert hat. Die Fans
mögen es, das beweisen immer wieder die ausverkauften
Konzerte. Einzig die Plattenverkäufe gehen seitdem
stetig zurück. Was soll man also tun?
Den
Paradiesvogel Andy Bell und den Denker und Tüftler Vince
Clarke mal so richtig mit einem Freak zusammen bringen
und das ganze durch schütteln und mal sehen, was raus
kommt. Das Ergebnis heißt „Tomorrows World“ und ist für
mich die erste wirklich neue Platte von Erasure seit
fast zwanzig Jahren. Produziert wurde die Platte ja
bekanntlich von Vincent „Frankmusik“ Frank, der dem
Album einen modernen Airplay-Schliff verpasst, ohne die
typischen Erasure-Klänge komplett zu verdrängen.
Der Opener
„Be with you“ geht mir sofort ins Ohr und verbreitet
einfach gute Laune. Sowas möchte ich auch mal im Radio
hören. Ein klassischer Erasure-Track, der sich sofort
öffnet. Wobei mir allerdings auffällt, dass Andy an
seinem Gesang gearbeitet hat. Wo nimmt dieser Mann diese
Stimme her?
Hatte ich
bei der Erasure Stipvisite im Sommer so meine Zweifel
bei dem Track „You’ve got to save me right now“ geht mir
dieser, wohl sperrigste Track des Albums sofort ins Ohr.
Eigentlich kein ungewöhnlicher Track aber in dem neuen
Erasure-Gewand etwas rotzig aber gut. Da kam dann wohl
die Experimentierfreudigkeit von Vince durch.
Was mir
besonders auffällt ist, dass „Tomorrows World“ wohl
wirklich das erste Dance-Album von Erasure ist. Am
besten merkt man das bei „I lose myself“, dem heimlichen
Höhepunkt der Platte. Treibende Discobassline, harte
Beats und Andys Stimme macht ein richtiges Brett aus dem
Track. Aufdrehen und wegblasen lassen!
Gibt es
denn gar nichts auszusetzen? Doch, mit Sicherheit.
Leider haben es Erasure „nur“ auf neun Tracks gebracht
und ich verspüre beim letzten Track „Just when i thught
it was ending“ einen Hauch von Wehmut. Besser kann eine
Platte kaum zum Schluss kommen. Keine Fülltitel, keine
überlangen Spielereien, keine Balladen. Ups, da ist es
dann doch passiert. Ich mag die Stimme von Andy Bell,
besonders wenn er ruhige Stücke wie „How many times“
oder „Spiraling“ singt. Das ist es, was ich vermisse.
Aber wer weiß, vielleicht hätte man ein ruhiges Stück
als störend empfunden, wenn man so eine Ansammlung von
guten Dancetracks vorfindet. Dank „Frankmusik“ haben
Erasure bewiesen, dass sie noch lange nicht zum alten
Eisen gehören, sondern dass man auch weiter mit ihnen
rechnen sollte, denn sie waren bisher nur ganz selten
besser.
VÖ:30.09.2011 Mute/Goodtogo
28.08.2011: Solar Fake - Frontiers
Mp3-Download
Solar Fake
sind leider immer noch nicht der breiteren Masse ein
Begriff. Zumindest, wenn man nicht vielleicht schon mal
was von Zeraphine gehört hat. Solar Fake ist das
Soloproject von Zeraphine-Frontmann Sven Friedrich.
Stilistisch haben beide Projekte nur indirekt etwas
gemeinsam neben der Stimme von Sven Friedrich. Während
Zeraphine eher Dark-Rock spielen, ist Solar Fake ganz
klar ausgegliedert und gilt als reines Electroproject.
Wer genau hinhört, erkennt in den einzelnen Songs schon
Ähnlichkeiten zwischen den Projekten. Dennoch wird doch
ein unterschiedliches Publikum angesprochen.
Bereits
2008 veröffentlichte Solar Fake das erste Album „Broken
Grid“ mit der sehr eingängigen Singe „Hiding Memories
From The Sun“. Jetzt liegt das zweite Album „Frontiers“
vor, wo sich Sven Friedrich mehr aus dem Fenster lehnt
und das ganze Album komplexer und geschlossener
erscheinen lässt.
Bereits
der Opener „Under The Skies“ ist eine eingängige
Melancholische Einstiegsdroge wo man auch gleich durch
die tiefe sonore Stimme Friedrichs gefangen wird. Der
Mann leidet so schön, dass man ihm schnell mal ein Glas
Rotwein und ein Taschentuch reichen möchte. „No
Apologies“ reißt den Hörer dann aus dem Sessel und lädt
mit seinem stampfenden Beat zum tanzen ein. Ein
besonderer Hinhörer ist „More than this“. Der Track
brennt sich in meine Hörmuschel und avanciert in meiner
persönlichen Hitliste zum Tophit. „Parasites“ überrascht
mich gewaltig, klingt es doch eher aggressiv. Ich fühle
mich stark an die Jungs von [:SITD:] erinnert. So muss
es klingen, wenn man die Tanzfläche bombardieren will.
Natürlich
darf auch eine Coverversion nicht fehlen. Aber da kann
man viel falsch machen und beim Blick auf die Trackliste
befürchte ich schon schlimmes, als ich einen Track
namens „Such a shame“ finde. Und richtig, es handelt
sich ums den Talk Talk-Klassiker der 80er und Solar Fake
bewegen sich auf dünnem Eis. Mehr als ein „unterhaltsam“
kann ich dann leider dem Track auch nicht abgewinnen. Es
gibt halt Stücke, die können einfach nicht gecovert
werden und mit Talk Talk ist es meines Wissens noch
keiner band gelungen, was Gutes zu vollbringen.
Insgesamt
haben Solar Fake es aber geschafft ein gutes Album zum
falschen Zeitpunkt zu veröffentlichen. Gerade bei
„Frontiers“ zeigt es sich wieder, dass es nicht gut ist,
mitten im Sommer so ein Album zu veröffentlichen.
Schnell landet so eine Platte auf dem Haufen, den keiner
im Sommer hören will und das ist in diesem Falle sehr
schade und wirkt sich hoffentlich nicht negativ auf den
Erfolg des Albums aus. Denn Erfolg ist das, was es
verdient hat. Sven Friedrich setzt sich von Zeraphine ab
und macht Lust auf mehr musikalischem Output.
28.08.2011: Project Pitchfork - Quantum Mechanics
Mp3 Download
Es kann
mit Sicherheit keiner behaupten, Project Pitchfork
würden Musik für ein breites Publikum machen. Vom
Indieact zum Mainstream und zurück. So oder ähnlich kann
man die Karriere von Peter Spilles und Dirk Scheuber am
treffendsten beschreiben.
Jetzt
legen Pitchfork mit „Quantum Mechanics“ ein neues
komplexes Werk vor, was mich nach vielen Jahren auch mal
wieder begeistern kann. Selten habe ich in den letzten
Jahren ein für Pitchfork-Verhältnisse eingängiges Album
gehört. Das liegt mit Sicherheit auch an der Vorabsingle
„Lament“, die mir Tür und Tor geöffnet hat. Natürlich
klingt es wie immer aber auch nicht. „Lament“ animiert
mich zum hinhören und lauter machen. Kein Soundtrack für
leicht gestrickte und ein Hauch von Retro schwingt in
den Klängen mit und man fühlt sich an die großen Zeiten
von „Eon:Eon“ zurück erinnert, als Project Pitchfork
durchs Musikfernsehen geisterten und sich der breiten
Viva-Masse öffnen sollten. Dabei ist „Lament“ kein
leichter Song und der durch Spilles‘ durch den Verzerrer
gejagter Gesang kaum eine Melodie erkennen lässt.
Seltsamerweise kommt aber bei den fast 8Minuten keine
Langeweile auf; vielmehr bin ich enttäuscht, dass es
schon vorbei ist.
„Run for
Cover“ ist dann doch tatsächlich das, was ich bei
Pitchfork als Floorfiller bezeichnen würde. Ich bin
entzückt, dass die Beine nur so wippen wollen. Lauter
muss es sein, auch wenn die Kinder in der Nachbarschaft
es mit der Angst bekommen. Spilles und Scheubi schütteln
sich gewaltig en Staub von den Schultern, dass es nur so
kracht. „Radical Burns“ klingt schon fast ein wenig zu
weltoffen und poppig. Würde Peter Spilles nicht den
Weltuntergang prophezeien oder so ähnlich, könnte es
fast schon als Szeneohrwurm durchgehen. Zum ersten Mal
bin ich aber ein wenig genervt, dass bei Track Vier in
gleicher Manier wie bei den vorhergehenden Tracks
Spilles‘ Stimme zu sehr verzerrt ist. Eigentlich will
man doch so von Defiziten ablenken und das hat er ja
wohl kaum nötig.
„Quantum
Mechanics“, das Titelstück des Albums nimmt erstmals das
Tempo aus dem Album und ruft eine schwermütige Stimmung
hervor und baut sich dadurch zu einem grandiosen
Mittelpunkt des Albums auf. Fast schon majestätisch
schreitet Spilles durch seine dunklen Landschaften, die
er mit großen Gesten unterstreicht.
Project
Pichfork haben sich mit „Quantum Mechanics“ nicht neu
erfunden. Sie sind wieder Mal einen Schritt weiter
gegangen und ritzen sich eine weitere Kerbe in den
Bettpfosten der eine Reihe von genialen Alben markiert.
Sie kreieren eine Dark-Wave-Electro-Oper, welche die
Messlatte für ihre Weggefährten wieder ein Stück höher
legen wird und nur sie selber werden es schaffen, diese
Messlatte zu überbieten.
03.07.2011: She Wants Revenge - Valleyheart
Mp3 Download
Es gibt
Platten, die sind einfach da. Plötzlich, ohne Vorwarnung
und ohne großes Theater drum herum. So können schnell
mal interessante Platten an einem vorbei gehen oder man
hält kleine Schätze in den Händen. Die Kehrseite kann
dann aber auch wieder sein, dass wenn zu viel Wind um
eine Platte gemacht wird, die Erwartungen zu hoch sind
und das böse erwachen schon beim ersten Durchlauf kommt.
Für mich
überraschend stand mit einem Mal „Valleyheart“, das neue
Album von She Wants Revenge in den Regalen. Meiner
Meinung nach eine der zu unterschätzten Bands in Europa.
2005 von Justin Warfield und Adam Bravin gegründet,
legten sie 2006 ein fulminantes Debut mit dem
gleichnamigen Album hin. Hits „Tear you apart“ und
„These things“ machten sie auch bei uns bekannt. Zu
schnell folgte 2007 schon die zweite Platte „This is
forever“. Nicht so erfolgreich wie das Debut und auch
klanglich eher eine Kopie vom Vorgänger.
Auch bei „Valleyheart“
können She Wants Revenge nicht aus ihrer Haut. Eine
musikalische Anlehnung an Bands wie Joy Division oder
auch an Depeche Mode ist nicht zu leugnen. Dennoch
klingt das Album wieder frischer und eingängiger. Schon
der Opener „Take the World“ brennt sich durch seine
Mischung aus Beats, Gitarre und der Stimme von Justin in
meine Ohren und rutscht in meine Favoritenliste in
meinem iPod. Das She Wants Revenge aber nicht nur düster
klingen zeigt sich gleich bei „Kiss me“. Fast schon
poppige Ansätze, die nicht aufdringlich wirken und eine
hohe Haltwertzeit versprechen. „Must be the one“ als
Vorabsingle auszuwählen, ist eine sehr gute Wahl
gewesen. Nicht unbedingt das kommerziellste Stück auf
dem Album, dafür aber sehr aussagekräftig.
Haben She
Wants Revenge aber jetzt neu erfunden? Nein, aber das
müssen sie auch nicht. Tracks wie „Reasons“ oder „Little
Stars“ oder auch „Suck it up“ überstehen nicht nur in
der Gesamtheit des Albums sondern sind auch als einzelne
Tracks herausragend. Vielleicht schaffen es She Wants
Revenge mit „Valleyheart“ nun auch endlich, auch in
Europa eine breitere Masse anzusprechen. Zu Gönnen wäre
es ihnen. Leider ist bisher nichts über eine anstehende
Tour bekannt. In den USA haben sich She Wants Revenge
aber bereits ein großes Publikum erspielt. Und das nicht
nur durch die erfolgreichen Tourneen mit Placebo und
Depeche Mode.
01.06.2011: Depeche Mode - Remixes 2: 81-11
Mp3 Download
Über die
Rolle von Depeche Mode im Bezug aufs remixen ist ebenso
viel verloren wie über Marias Jungfräulichkeit. Die
Urväter des Mixens haben sich also aufgetan und zum
zweiten Schlag ausgeholt, was das aus der Schublade
kramen angeht. Mit „Remixes2:81-11“ liegt hier wieder
eine randvolle Compilation mit alten und neuen Mixen
altbekannter DM-Singles, B-Seiten und Albumtracks vor.
Also alles wie 2004, als die erste Compilation erschien?
Nein dieses Mal konnten die Macher nicht auf Nummer
Sicher gehen, wurden doch mit dem ersten Streich die
Hits ab gefrühstückt. Und genau das macht dann doch
wieder die neue Compi aus. Man traut sich was.
Neben
weiteren „alten“ Mixen, wie z.B. dem etwas schrägen „Death
Mix “ von „Fly on the windscreen“ oder auch dem „United
Mix“ von „Barrel of a gun“, gibt es viele gute und sehr
gute neue Mixe auf die Ohren. Allen voran stehen
natürlich die Mixe der ehemaligen DM-Mitglieder Vince
Clarke (Behind the wheel) und Alan Wilder (In chains).
In beiden Fällen ist man überrascht von den Ergebnissen.
Unlängst bekannt ist das Faible von Vince Clarke für
Dancetracks. Dementsprechend hat er dem 1987er „Behind
the wheel“ einen treibenden Beat und eine neue Bassline
verpasst und den Track auf die 2011 Dancefloors
transferiert. Nicht nur durch die Arbeit Clarke’s ein
Highlight auf dem Album. Schon eher absehbar war dagegen
Alan Wilders Version von „In chains“. An einigen Stellen
klingt der Mix ein wenig zu kalkulierbar. Ich mag die
Arbeiten von Wilder als Recoil und auch als Remixer.
Leider fehlen ab und zu aber die innovativen Wagnisse,
die man Alan Wilder immer wieder nachsagt. Weggebomt
werde ich dafür vom „Joebot Presents „Radio Face Mix““
von „A question of time“. Der Mix aus Breakbeats und
Midtempo klingt treibend und fast schon befreiend, wenn
in der zweiten Hälfte das Tempo angezogen wird. In der
Art hätte ich persönlich mit einem Mix eines der größten
Livetracks von DM nicht gerechnet. Ein weiterer
Schnapper ist ohne Zweifel der „Karlsson & Winnberg
Mix“ von „Tora Tora Tora!“. Mit Sicherheit keine leichte
Aufgabe einen Mix zu so einem Track anzufertigen. Mit
Bravour gemeistert. Mehr als Gelungen ist auch der „Sie
Medway-Smith Mix“ von „Personal Jesus“. Ich mag die
Mixe, wo zumindest ansatzweise noch Sequenzen des
Originals vorhanden sind. Hier wird Martin Gore’s
Gitarre mit neuer Bassline und Drums zusammen gefügt,
sich aber nicht am Original zu sehr orientiert. Mit
Verlaub gesagt eine gelungenere Arbeit als der zur
Single auserkorene „Stargate Mix“.
Das für
mich überraschende an der „Remix 2“ ist, dass im
Gegensatz zur „Remixes 81..04“ nicht die neuen Mixe als
Füllmaterial wirken, sondern diesmal der Spieß umgedreht
wurde. Diese Compilation hätte auch gut auf die „alten“
Mixe verzichten können. Aber dann wäre sie vom Konzept
der ersten Auflage abgewichen. Also greift man auch
dieses Mal nicht falsch ins CD-Regal, da sich alle Mixe
fast ausnahmslos zum tanzen eignen und nicht zu
experimentell wirken. Sollten Depeche Mode selbst die
Mixe ausgesucht haben, so haben die Herren ganze Arbeit
gemacht und vielleicht auch ein paar Ideen wieder
gefunden, die bei neuen Studioarbeiten positiv einwirken
werden.
02.04.2011: The Kills - Blood Pressures
Mp3 Download
In der
heutigen Zeit nochmal eine Platte zu finden, die nicht
nur unterhaltsam ist, sondern durch ihre Ecken und
Kanten im Gedächtnis zu behalten ist gar nicht so
einfach. Da kommt mit „Blood Pressures“ von The Kills
die nötige Dosis an Rotzigkeit um dem Einheitsbrei zu
entfliehen.
Bereits
der Opener „Future Starts Slow“ hat das Potenzial, ein
Ohrwurm für den kommenden Sommer zu werden.
Wiederkehrende Riffs und dank der Zuarbeit von James
Hince und Tom Elmhirst (Mischung) eine Rohheit die sich
auch durch die folgenden Tracks weiterführt. Zusammen
mit der Stimme von Alison Mosshart klingt das Album
nicht nach durchgestyltem Rock sondern hat den Charme
eines richtig guten Demotapes. Dieses wird nicht nur
durch die grandiose Vorabsingle „Satellite“
unterstrichen. Weiterer Hinhörer ist das geniale „Nail
In My Coffin“, welches besonders in erhörter Lautstärke
hingerotzt wird, das es kracht. Stellenweise sind
Parallelen zu den White Stripes nicht von der Hand zu
weisen was man hier durchaus als Kompliment sehen soll.
Die
Gradwanderung zwischen Rock, Blues und Country klingt
stellenweise sehr gewagt, aber nicht gekünstelt. „The
Last Goodbye“ ist so ein Stück, dass mich zweimal
hinhören lässt. Das Cowgirl reitet auf seinem Pony dem
Sonnenuntergang entgegen. Nicht kitschig sondern ehrlich
leht man sich zurück und hat dieses Bild im Kopf. Do
bevor man sich den Träumen hingibt, wird man dann doch
mit „Damned If She Do“ in die Realität zurück geholt.
Live sind
The Kills bisher nur für drei Termine gebucht. Aber
sollten sie noch weitere Termine nach schieben, sollte
man sich spätestens nach „Blood Pressures“ auch live
beeindrucken lassen.
16.03.2011: The Human League - Credo
Das sind
sie ja wieder! Zehn Jahre nach dem letzten Album „Secrets“
melden sie The Human League endlich mit neuem Material
zurück. „Credo“ heisst das neue Album und lässt mich
doch entzücken. Nachdem die Band in den letzten Jahren
sich von Eighties-Festival zu Eighties-Festival gerettet
hat und dazwischen immer wieder auf Tour im Vereinigten
Königreich auf Tour war, hatte ich die Hoffnung auf ein
neues Album schon fast begraben.
Aber was
habe ich von „Credo“ erwartet? Da das 80er-Revival
derzeit dank neuer Platten von OMD, Duran Duran u.a. ja
voll im Gange zu sein scheint, war ich schon darauf
eingerichtet, dass es in die Richtung gehen könnte. Und
bereits die digitale Vorabsingle „Night People“ hat mich
nicht überrascht. Ok, die Auswahl war meiner Meinung
nach etwas gewagt, ist ein kommerzieller Erfolg nicht zu
erwarten. Dazu ist „Night Peolple“ zu sperrig und mit
seinen Pausen auch etwas strange. Nach mehrmaligem hören
finde ich aber immer mehr gefallen an dem Track.
Besonders durch das lange Finale mit Discoflair.
„Sky“ ist
ein klassischer League-Song. Da hört man die Vorliebe
von Phil Oakey für aufbauende Refrains. Der Track hätte
schon auf so vielen Alben veröffentlicht werden können.
Es gibt halt immer wieder Tracks, an denen man einen
Songschreiber erkennt. Und, ups, da ist ja schon er
nächste Track Track „Into the night“ wenn man es gar
nicht merkt, dann muss es wohl gute Unterhaltung sein.
Musikalisch besticht „Credo“ durch seinen Retro-Sound,
der aber nicht gekünstelt wirkt. Human League müssen die
Originale nicht kopieren, sie sind es. „Credo“ ist ein
zeitloses Comeback und reit sich ohne anzuecken in die
Retrosounds anderer Acts wie FRANKMUSIK oder LaRoux ein.
Dadurch klingt es nicht altbacken sondern frischer als
ich erwartet hatte.
Anspieltipp: „Never let me go“,
“Night People”, “Egomaniacs”
16.03.2011: Blitzmaschine - Faustrecht
Zurücklehnen und Entspannen – nein, das kann jetzt nicht
angesagt sein. Dreht sich jetzt doch gerade mit
„Faustrecht“ das Debutalbum von BLITZMASCHINE. Dieses
sind der ehemalige Collapsed System-Shouter Holger und
sein Partner Matze. Kennengelernt haben sich die beiden
Mal nicht wie viele andere Bands in irgendeinem Club
sondern ganz unlike auf dem Finanzparkett. Nachdem dort
nichts mehr zu holen war, besann sich Holger auf die
Musik und gründete mit Matze BLITZMASCHINE.
Mit
„Faustrecht“ gibt es nach eigener Aussage „EBM für die
Mittelschicht“. Und da wird nicht untertrieben. Das
Album wird dominiert von harten Beats und harten
Basslines. Selten hat eine Platte so unverblümt mit den
Old-School-EBM kokettiert. Der Opener „Swallow me“
könnte so ziemlich von jedem Frühwerk von Nitzer Ebb
entsprungen sein. Was man in diesem Falle als Kompliment
durchgehen lassen kann. Erwähnenswert für mich ist z.B.
auch „Am i right“. Nicht einfach nur ein weiterer Track
nach 08/15-Muster. EBM kann auch abwechslungsreich sein.
Bei
„Blondes Mädchen“ muss ich zwangsläufig erweise and die
Urgroßväter des EBM, DAF denken. Der Gesang von Holger
und die Basslines haben für mich schon fast zu viel
Ähnlichkeit mit Gabi Delgado und Robert Görl.
Auf der
einen Seite ziehe ich den Hut vor der konsequenten
Stilverfolgung, beginne mich aber auch zu langweilen. Zu
eintönig wirkt das Album, wenn es in einem Stück
durchläuft. Jeder einzelne der 14 Tracks lädt zum tanzen
ein, bietet am Stück aber auch eine Überdosis EBM, die
nach mehr Abwechslung lechzt.
08.03.2011: AndOne - Tanzomat
Mp3 Download
Naja, da
ist sie also endlich. Die neue, lange angekündigte,
verschobene und dann doch noch fertig gewordene
Song-Compilation von AndOne. „Tanzomat“ getauft, erwarte
ich nach allen Vorankündigungen ein Hammeralbum. „Old
School EBM meets Bodypop“ soll die Devise sein. Mmhh,
aber warum bin ich dann schon bei der Vorabsingle
„Zerstörer“ schon nicht vor Freude spitzend durch die
Bude gesprungen? Das soll sich doch hoffentlich jetzt
ändern.
Schon der
Opener lässt die Euphorie in den Keller sinken. „Save
the hate“ besticht durch eine Bassline, die ich bei
AndOne in den letzten 15 Jahren schon tausend Mal gehört
habe. Die Vocals von Steve Naghavi sind
gewöhnungsbedürftig. Nur der Refrain hat vielleicht
Potenzial, irgendwo in den Gehörgängen zu bleiben. „Shining
star“ überzeugt auch nicht durch musikalische
Neuerungen. Die Geschwindigkeit ist zwar schon etwas
tanzbarer aber zündet auch nicht. Einzig ist wieder der
Refrain ganz nett und hat Wiedererkennungswert. Das
scheint wohl die neue Kreativität von Steve Naghavi zu
sein. Aber ein Refrain allein macht noch keinen Hit.
Schon gar nicht, wenn man zum fünfhundertsten Male den
Magix-Musicmaker in der AndOne-Edition startet. Langsam
schreit es nach musikalischer Erneuerung.
„Dancing
in the factory“ hat seine Basslinewurzeln entfernt bei
DM’s „Just can’t get enough“ entliehen. Nicht wirklich
neu, aber insgesamt bis jetzt unterhaltsamste auf dem
Album. Und endlich mal wieder weibliche Vocals. Wie habe
ich vermisst. Als Ponton zu Naghavis Bass-Stimme.
„The aim
is in your head“ ist der Beweis, das Naghavi es aber
auch noch kann. Schwermütige Bassline, Dramaturgie und
mystische Atmosphäre. Er kann es doch. Warum wird diese
Art von Kreativität nur zu selten abgerufen? „Sex
Drive“ mit auf das neue Album zu nehmen erscheint für
mich als die logischste Wahl. Haben AndOne mit
„Zerstörer“ die Hörerschaft doch mehr verstört als
angesprochen.
Wie soll
da Fazit denn nun ausfallen? Schwer, wirklich schwer zu
sagen. Der eingefleischte AndOne-Fan wird seine Freude
an „Tanzomat“ haben. Soviel steht fest. Das Ziel, neue
Fans mit dem Album zu gewinnen, wird wohl weit verfehlt
werden. Zu hoch ist die Messlatte mit „Bodypop“ (2006)
gelegt worden. Da kann „Tanzomat“ nur verlieren. Und wer
vier Jahre braucht, um „nur“ eine musikalische
Fortsetzung eines Albums zu produzieren, kann keine
Lobeshymnen verlangen. AndOne treten als Auslaufmodell
an, die es leider nicht einmal mehr schaffen, auf der
Bonus-Live-CD der „Limited Edition“ zu überzeugen. Die
Tracks kommen ebenso leer und lustlos rüber, wie sie
auch schon in den Konzerten im Herbst 2010 klangen.
Ich hoffe,
dass Steve Naghavi das Ruder nochmal rumreißen wird und
auch mal neue Wege geht. Sonst wird das langsame Sterben
jetzt offiziell eingeläutet.
21.01.2011: Covenant -
Modern Ruin
Mp3
Download:
Man hätte
es ja fast nicht mehr glauben können, dass von den
Herren von Covenant nochmal etwas Neues zu hören ist.
Nachdem, was in der letzten Zeit so an Eskapaden
nachzulesen war, erschien mir die Möglichkeit etwaiger
Veröffentlichungen dann auch minimal. Da war die
Überraschung über die „LIghtbringer e.p.“ im Oktober
letzten Jahres doch schon groß, auch wenn der
A-ha-Effekt ausblieb.
Jetzt
legen Covenant mit „Modern Ruin“ nach fünf Jahren Pause
ein neues Album vor, welches nach den ersten
Ankündigungen bereits im Herbst 2009 hätte erscheinen
sollen. Hat sich die Wartezeit gelohnt? Schwer zu sagen.
Man kommt schnell auf den Punkt, dass Covenant sich
musikalisch verändert haben. Einen großen Anteil daran
hat mit Sicherheit die Rekrutierung von Daniel Myer (Haujobb,
Destroid). „Modern Ruin“ beinhaltet so viel klangliche
Raffinesse, die man von Myers Vorbands kennt. Die
letzten EBM-Einflüsse, die noch auf „Skyshaper“ (2006)
zu hören waren, sind Clubsounds gewichen. „Judge Of My
Domain“ ist eine Gradwanderung und beinhaltet noch ein
paar Atmosphärische Ausläufer des letzten Albums.
„Dynamo Clock“ besticht durch harte Beats und Bassline.
Ein Floorfüller, der aber leider ohne jeglichem
Wiedererkennungswert ausklingt. Hörenswert ist dagegen
schon eher „The Beauty And The Grace“. Etwas mystisch
und geheimnisvoll mit einem für Covenant-Verhältnisse
interessanten Gitarrenpart. Mein Highlight auf dem
Album.
Ich nenne
es mal Weiterentwicklung bei Covenant, wie sich Tracks
wie „Wolrlds Collide“ und „The Night“ anhören. Sind
Covenant schon immer auch für experimentelle Sounds
bekannt gewesen, verlangen sie der Hörerschaft nun schon
einiges ab. Und das wird mit Sicherheit an der
Mitwirkung von Daniel Myer liegen. Ob alle Fans die
Entwicklung mitgehen, bleibt abzuwarten.
Muss man
„Modern Ruin“ denn jetzt mögen oder nicht? Wenn man
keine 08/15-Platte erwartet, die sich an dem Erfolg der
letzten Alben orientiert, sollte man das Album nicht
missachten. Wer alten Smashern a la „Dead Stars“
nachweint, sollte sich die Anschaffung gut überlegen.
15.01.2011: F.O.D. - Maschinentanz
Mp3 Download:
Selten
laufe ich so lange schwanger mit einem Album. Meist
verliere ich den Mut und das Regal hat wieder mal
Füllware erhalten. So ist es auch beinahe mit
„Maschinentanz“, dem aktuellen Album von F.O.D.
geschehen. Schon die zweifelhafte Playbackshow als
Support von AndOne im Herbst 2010 hatte mich nicht
wirklich positiv gestimmt.
Manchmal
lohnt es sich aber auch, nach einer gewissen Pause ein
Album wieder vor zu holen. Mittlerweile hat sich die
Platte in meiner Gunst weiter nach oben gedreht. Schon
der Opener „Dirty Pop“ geht mit treibenden Beat nach
vorne. Zwar etwas zu sehr poppig aber doch wieder
eingängig hat „Kreuzritter“ Airplaytaugliche Tendenzen.
„Angels“ ist ein Hit! Mehr kann man nicht sagen.
Eingängige Melodie, pumpende Beats und ein
Ohrwurmrefrain den man so schnell nicht los wird. „I
know“ überrascht mich u.a. durch den Gesang. Gesungen
von Ex-Blutengel Eva Pölzing hat der Track ebenfalls
Hitcharakter. Die Stimme von Eva kann man schon mit der
von Plavka (ehem. Gastsängerin bei Jam & Spoon)
verwechseln. Was man schon als positive Referenz
anmerken kann.
Aber wenn
ich anfangs so Zweifelhaft war, kann doch nicht alles
toll sein, oder? Richtig! Es gibt in der deutschen EBM-/Electroszene
nur zwei Bands, die mit dem deutschen Wort umgehen
können. Zum einen AndOne und auf der anderen Seite
fallen mir nur Melotron ein. So ausgeklüngelt die
Sounds, Beats und Melodien auf „Maschinentanz“ auch
sind, die deutschen Texte holpern durch die Boxen und
klingen doch eher amateurhaft.
F.O.D.
bilden eine neue Generation des EBM. Vielleicht ein
wenig zu naiv und viele Anleihen an altgedienten Größen.
Bei der richtigen Lautstärke aber doch auch mit
Suchtgefahr.